Paradis Artificiels 13. bis 20. Mai

Into the City, Paradis Artificiels - 20.05.2012

Irgendwo in der Stadt steht ein Wohnmobil, behängt mit viel goldenem Lametta. Jeden Tag in der kommenden Woche wo anders. Wo verrät www.paradisartificiels.at. Drinnen sitzen Drogen-Experten und werden interviewt. Was sie sagen, wird mit Lautsprechern nach außen übertragen und als Live-Stream über Webradio versendet (www.paradisartificiels.at). An der JUKEBOX kann man wählen, welche Art von Musik man gerne hört. Je nachdem, ob man lieber Hip Hop, Klassik oder Heavy Metal mag, bekommt man eine bestimmte „Songline“ zugewiesen. Man bekommt einen knallroten Umschlag in die Hand gedrückt, dann wartet man auf seinen „Tripberater“.

 

Camping Paradis © Franziska Faust

Camping Paradies ©Franziska Faust

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der führt einen ein paar Straßen weiter. Irgendwann drückt er einem eine Mickey-Maus-Augenbinde in die Hand. Die soll man aufsetzen. Blind wird man dann noch ein paar Ecken weitergeführt. Dann ruft man eine Handynummer an und eine Stimme spricht zu einem. Erzählt von ihrer Kindheit und wie das alles angefangen an mit den Drogen. Das kann je nach „Songline“ ganz unterschiedlich sein. Man wird aufgefordert, bestimmte Dinge zu fotografieren. Oder bestimmte Sätze auswendig zu lernen und ins Handy zu sprechen. Die werden aufgezeichnet.

 

Man erinnert sich an seine eigene Kindheit, seine eigenen Drogenerfahrungen, beginnt zu vergleichen. Die Geschichten sind sehr persönlich, manchmal traurig. Man steht allein irgendwo in Wien und hört sich diese persönliche Sachen an. Manchmal trifft man auf andere Menschen, die auch ein Handy am Ohr haben und vermutlich ebenfalls gerade ergreifenden oder lustigen Geschichten lauschen. Vielleicht telefonieren sie auch mit ihrer Großmutter und haben gar nichts mit Paradis Artificiels zu tun. Oder sie basteln an ihren eigenen künstlichen Paradiesen.

 

So einer „Songline“ zu folgen kann eine geraume Zeit dauern. Und man muss bereit sein, sich auf eine anonyme Stimme einzulassen, die einem tiefe und ehrliche Einblicke in ihr/sein Leben gewährt. Und auch von Dingen erzählt, die man vielleicht gar nicht so genau wissen wollte. Aber da muss man durch, das ist man dieser Stimme, diesem Menschen schuldig.

 

Am Ende wird man zum Wohnmobil zurückgeschickt. Dort wartet auf jeden Fall noch eine weitere Überraschung. Dann kann man die b-sides der Stadt kennenlernen: ein Bier trinken, den DJ’s zuhören oder mit anderen über „Songlines“ oder Drogenerfahrungen plaudern.

 

Von Thomas Askan Vierich