Poste es! BLOG*Talk “Neu”: Das neue Ute Bock Haus in Favoriten

Festivalzentrum, Into the City, Poste es! - 19.05.2012

Am ersten Abend der Poste es! BLOG*Talk-Reihe sollte es um das eben bezogene Ute Bock Haus in Favoriten gehen. Ute Bock ist nach vielen Jahren in der Leopoldstadt wieder nach Favoriten zurückgekehrt. Schon im Vorfeld des Umzugs sind die Wogen bei einigen ihrer neuen-alten Nachbarn hochgegangen. Warum das so ist, woher diese Ängste kommen und wie man mit ihnen und vor allem ihrer Instrumentalisierung umgehen kann – darüber sollte im Festivalzentrum von Into the City diskutiert werden. Leute von der Gebietsvertretung, Journalisten, Anrainer und Interessierte waren gekommen – nur Ute Bock nicht. Noch wissen wir nicht wieso. Sie wird einen triftigen Grund gehabt haben – ein Notfall bei einem Flüchtling vielleicht.

 

FIlm von wien.tv über den FPÖ Stammtisch zum Ute Bock Haus

Moderator Thomas Wolkinger zeigte auch einen Film von Wolfgang Weber, den der unabhängige Journalist für Wien.tv.org über einen Stammtisch der FPÖ in Favoriten zum Thema Ute Bock Haus gedreht hatte. Weber interviewt darin den stellvertretenden Bezirksvorsteher Michael Mrkvicka und Johann Gudenus (beide FPÖ).

 

Als er Gudenus immer wieder nach Belegen für seine Behauptung, 90 Prozent der Heimbewohner bei Ute Bock seien „Wirtschaftsflüchtlinge“, die „dem Staat auf der Tasche liegen“ fragt, hat der keine Lust mehr auf Interview. Dafür murmelt eine Pensionistin in die Kamera: „Ute Bock würde ich in meinem Keller einsperren – weil die deppert ist.“ Und so geht das weiter: Der ganze Dumpfsinn des blauen Kleinbürgertums brandet auf – angeheizt von den Parolen der FPÖ. Wolfgang Wagner dazu: „Man kann Ängste nehmen – oder Ängste schüren.“ Er plädiert dafür, die Ängste der Nachbarn ernst zu nehmen – aber sie nicht zu instrumentalisieren.

 

Ute Bock hat das Gespräch mit den Favoritenern gesucht, die Gebietsbetreuung Favoriten hat das begleitet. „Die anderen haben sich nicht getraut“, erzählen zwei Damen der Gebietsbetreuung. „Eine halbe Stunde war das sehr emotional, alle Ängste und Klischees kamen hoch. Doch dann versachlichte sich die Diskussion.“ Das Problem ist, dass das Ute Bock Haus in einer ruhigen Wohngegend in Favoriten steht. Und dass dort den Heimbewohnern anders als in der Leopoldstadt keinerlei Angebote gemacht werden. Sie fallen auf. Und niemand kümmert sich: Die SPÖ in Favoriten hält sich aus der Diskussion heraus, verweist auf ihren Gemeinderat, die FPÖ zündelt. Wolfgang Wagner: „Man darf das nicht den Politikern überlassen, man muss selbst was tun, Orte der Begegnung schaffen.“ Deshalb begrüßt er sehr Aktionen wie den BLOG*Talk in der Quellenstraße. „Wenn man ‚dem Türken’ im Kebabstand begegnet, reicht das nicht. Man muss ein Klima für Begegnungen schaffen.“ Ein Favoritener im Publikum vergleicht die Quellenstraße von vor zehn Jahren mit heute: „Damals hat jedes zweite Geschäft leer gestanden, heute sind Geschäftslokale in der Quellenstraße heiß begehrt. Unsere Gegend ist durch die Zuwanderung enorm aufgewertet worden.“ Doch davon liest man in der Bezirkszeitung oder in der „Krone“ nie etwas, da geht es immer nur um die „Sicherheitslage“.

 

Von Thomas Askan Vierich