Projizierte abstrakte Kunst: Guy Sherwin bei der Gran Lux Filmnacht

Gran Lux Filmnacht, Into the City - 04.05.2012

Die frühen Filme des britischen Künstlers Guy Sherwin aus den 1970er Jahren sind legendäre Beispiele für einen ganz neuen Umgang mit Film. Bei Sherwin wird aus der Materialität des Films, der Projektion und dem Soundtrack ein Gesamtkunstwerk: projizierte abstrakte Kunst. Oft nutzt er das Licht des Films, um es auf andere Kunstwerke (Gemälde) oder Spiegel fallen zu lassen.

 

Man With Mirror ©Guy Sherwin

Guy Sherwin studierte in den 1960er-Jahren an der Chelsea School of Art in London. Seine Filmarbeiten nutzen oft serielle Elemente, für ihn ist Licht, Zeit und Ton fundamental. Verleichbar mit dem französischen Kollektiv Cellule d’Intervention Metamkine setzt er bei seinen Projektionen oft mehrere Projektoren gleichzeitig ein und verwendet Ton als „optical sound“.

 

 

Auf die Frage, warum er sich seit den 1970er-Jahren mit experimentellem Film beschäftigt, antwortete Guy Sherwin in einem Videointerview für LUXONLINE (Webarchiv für Britische Film- und Videokunst): „Mich und viele andere haben damals die vielfältigen Möglichkeiten und Aspekte des Films interessiert: Die Körnigkeit, die Materialität des Films an sich, die Projektion, Licht und Ton – auch der Umgang mit dem Publikum.“ Seine ersten seriellen Vorführungen nutzten das Licht des Films als „rapid fire“, um es auf Gemälde zu projizieren. „Man With Mirror“, der Film, den Guy Sherwin in der Gran Lux Filmnacht im Wien Musem (5. Juni) zeigen wird, entstand 1976 – und wurde 2006 noch einmal überarbeitet. „Mich interessierte die Leinwand und wie ich mit ihr künstlerisch umgehen kann“, sagt er. Deshalb benutzte er einen Spiegel als Leinwand, die seinen ursprünglichen Film fragmentiert und bricht. Und das Ganze hat er dann wiederum gefilmt.

 

Skizze von Man With Mirror ©Guy Sherwin

Guy Sherwin sieht seinen Platz als Künstler nicht vor dem Projektor, sondern hinter ihm. Das Projizieren von Film wird bei ihm zur Kunstform. Er bearbeitet den Film während der Projektion. Wichtig ist für ihn auch der Soundtrack zu seinen Filmen, im Idealfall sollte er mit den oft abstrakten Bildern zu einer Einheit verschmelzen, eine „physikalische Einheit“ bilden.