Videodokumentation Gran Lux. Eine lange Nacht mit Film und Performance

Gran Lux DIY-Film, Gran Lux Filmnacht, Into the City - 06.06.2012

 


Gran Lux. Eine lange Nacht mit Film und Performance, Wien Museum, 5. Juni 2012

 

Kaos Camping aus Budapest begrüßen die Besucher dieser Filmnacht im Foyer des Wien Museum mit ihrer Performance Propaganda Parallax mit 50 Pojektoren. Es hätten auch mehr sein können, aber mehr konnte das Stromnetz des Wien Museums nicht mit Energie versorgen. Denn die Projektoren laufen alle gleichzeitig und werfen Filme an die Wände des Foyers. Gefundene Filme, selbstgedrehte Filme oder kurze Endlosschleifen auf Super8- und 16mm. Manche der Filme hatte das Kollektiv nach der Wende im Müll gefunden: alte Militärfilme zum Beispiel. Oder Privatfilme. Ein Panoptikum des handgemachten, analogen Films. Das Wien Museum ist zum Kino geworden.

 

Kaos Camping ©Miguel Dieterich

 

Im Atrium projiziert Silvi Simon mit ihrer Installation Filmatruc Abbildungen von Vögeln an die Wände. Filmatruc ist eine Kugel und besteht aus verschiedenen Glasscheiben. Sie dreht sich vor einem Projektor und bricht einen Film mit Vögeln wie eine Discokugel. Der Brite Momus singt dazu in einer atmosphärischen Performance Lieder aus seinem jüngsten Album BIBLIOTEK.

 

Kaos Camping ©Miguel Dietrich

 

Ähnlich skulptural wirkt „Man with Mirror“, die Filmperformance des britischen Filmkünstlers Guy Sherwin. Zu den Live-Klängen von Kaffe Matthews wirft er mit einem Spiegel (übrigens aus den Sanitärräumen des Wien Museums) einen Film in den riesigen Raum des Atriums und macht ihn zu einem dreidimensionalen Objekt. Man möchte die Hand ausstrecken und ihn anfassen.

 

Omnibus Labor von LaborBerlin ©Miguel Dietrich

Draußen vor den Türen des Museums steht der Bus von LaborBerlin. Mit dem hatte das Berliner Filmlabor im Vorfeld der Filmnacht Wienerinnen und Wiener eingeladen, mit ihnen Workshop-Filme zu drehen oder Interventionen im Stadtraum durchzuführen. Sie zeigen die Filme mit Projektion und Ton aus dem inneren des Buses – die Fenster werden zur Leinwand: Plötzlich erscheinen der Mexikoplatz oder der Volkertmarkt auf denen LaborBerlin die Workshops durchgeführt haben, Kinder schreien und toben und grinsen in die Kamera. Ein Augustin-Verkäufer führt durch sein Wien der besetzten Häuser und improvisierten Schlafstellen. Weitere Filme die die Mitglieder von LaborBerlin während der Woche im Stadtraum produziert haben, sind im Anschluss in den Fensterscheiben zu sehen: Vanishing Celluloid, Ephemere Begegnungen im Stadtraum, The Handeye (Bone Ghosts), The Eyehand (Peeping Walls), und vieles mehr.

 

Ins Atrium werden große Stofftransparente getragen – eine Demo. Es sind Projektionsflächen die zu einer cinemascope-artigen Leinwand angeordnet werden – für die Filme der filmkoop wien, die diese mit Gemeindebau-Bewohnern gedreht hat. Jetzt schultern die Mitglieder der filmkoop wien ihre Projektoren und werfen die Filme auf diese Leinwände – bis zu acht parallel. Die Falten die die „Demobanner“ werfen, verfremden die Filme ein wenig. Und tatsächlich, das Ganze ist als Demo inszeniert – für den analogen Film: „Hoch die Projektoren! Alles bewegt sich, das Bild rattert.“ dieb13 spielt live dazu, seine Musik besteht mehrheitlich aus abstrakten Klängen. Manchmal knistert es auch einfach nur. Das ist das Knistern des Analogen, sehr laut, sehr eindrücklich, sehr selbstbewusst.

 

Cellule d'Intervention Metamkine ©Miguel Dietrich

 

Noch abstrakter (und lauter) sind die Töne, die die drei Mitglieder des Französischen Filmkollektivs Cellule d’Intervention Metamkine erzeugen. Sie nehmen die Geräusche ihrer Projektoren, verfremden sie und nutzen sie live-on-stage, als verformten Soundtrack zu ihrer Filmskulptur. Zwei von ihnen knien auf der Bühne neben ihren Projektoren, die auf große Spiegel gerichtet sind, über die die Bilder auf eine große Leinwand geworfen werden. Ständig arbeiten sie an ihren Geräten herum, halten verschiedene Filter und anderes in den Lichtstrahl, manchmal auch eine Hand, wedeln vor der Linse, erzeugen Licht mit Taschenlampen. Das Ergebnis ist ein abstraktes Gemälde in bewegten Bildern. Manchmal glaubt man etwas Konkretes erkennen zu können: Laub, menschliche Silhouetten. Dann bilden sich Formen, die aussehen wie riesige Wachteleier. Daraus wird eine Supernova – oder wurde das Ganze unter Wasser gedreht. Manchmal hört man tatsächlich Wasser, Regen, Donner. Die Franzosen bieten uns ein optisches Vexierspiel zu Maschinenmusik aus Klängen der Natur. Alles ist gefiltert, gebrochen, gespiegelt, manipuliert. Abstrakt und gleichzeitig sinnlich, organisch. Und ein wenig unheimlich. Kaffe Matthews lässt die Filmnacht mit elektronischen Improvisationen und Live-Kompositionen ausklingen. Tolle Mischung. Tolle Filmnacht. Weiter weg von Hollywood geht nicht.

 

Von Thomas Askan Vierich

 

Kaos Camping ©Miguel Dietrich