Gran Lux: Das Festival der Do-it-yourself Filmlabors 28. Mai bis 4. Juni

Gran Lux DIY-Film, Gran Lux Filmnacht, Into the City - 06.06.2012

Das Festival der experimentellen Kinematografie im Tonkino Saalbau (28. Mai bis 4. Juni) ist in vollem Schwung – und gut besucht. „Wir haben eine nette Mischung hier“, sagt Kuratorin Anne Grèzes vom französischen Filmlabor Gran Lux. „Experten aus ganz Europa, Filmemacher, Verleiher und dazu viele Filminteressierte und Neugierige aus Wien.“

 

Hof des Tonkino Saalbau ©Sabine Pichler

Filmprojektion ©Sabine Pichler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Charme des Festivals trägt sicher auch der Ort bei: Im Hinterhof eines unscheinbaren Altbaus im 15. Bezirk hat sich Paul Krimmer in jahrelanger Arbeit ein kleines Film-Paradies geschaffen. Man sitzt im Hof auf alten Fateuils, schlürft weißen Spritzer aus Plastikbechern, raucht eine Zigarette und unterhält sich auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Griechisch. Bis man zur nächsten Runde von Filmprojektionen in den Saalbau gebeten wird.

 

Im Hof ©Sabine Pichler

Griechisch deshalb, weil am Tag 3 das LabA aus Athen Filme zeigt. 2011 bekam man etwas Geld über das Goethe Institut und konnte einen mehrtägigen Filmworkshop abhalten: „Hand over Cinema“. Sieben Filmemacher drehten an sechs Tagen 19 Filme. „Für manche war es das erste Mal“, erklärt Vassily Bourikas vom LabA. Der stämmige Mann mit dem kurzgeschorenen Haar ist ein Weltreisender in Sachen analoger Film. Er führt diese Filme nicht nur in Wien vor, sondern auch auf anderen Festivals in Europa und darüber hinaus. Vielleicht flüchtet er auch ein wenig vor der aktuellen Misere in seiner Heimat. Über die er übrigens nicht wirklich sprechen möchte. Er belässt es bei Andeutungen, auch in Bezug auf die Zukunft von LaBA.

 

Jeder Tag in dieser Woche des analogen Films ist bestimmten Labors gewidmet. Tag 1 gehörte in erster Linie der filmkoop wien und Gran Lux. Man diskutierte Grundsätzliches: Wie macht man überhaupt einen Film, vor allem Kurzfilme? Und wie sieht es mit Drehbüchern aus? Gezeigt wurden experimentelle Filme aus ganz Europa.

 

Gran Lux ©Sabine Pichler

Tag 2 war sehr „poetisch“, wie Anne Grèzes sagt. Unter anderem Tree LAB aus Vilnius präsentierte sehr stimmungsvolle, leise Filme, die alle – wie es schon zur Tradition im Tonkino Saalbau gehört – live von Bernhard Höchtel, Leon Leder, Robert Pockfuß und Markus Steinkellner vertont wurden. Es ist immer ein Erlebnis, wie sich diese Musiker in die Filme hineinfühlen können und die Bildsprache in ihre mehr oder weniger abstrakten Klänge übersetzen. Den zweiten Teil von Tag 3 bestritten die „Filmlegenden“ Peter und Friedl Kubelka aus Frankfurt bzw. Wien – und wieder wurde live vertont.

 

Tonkino Saalbau ©Sabine Pichler

Am Freitag sind die Briten dran: Guy Sherwin und Cherry Kino aus Leeds. Sherwin wird mit der Künstlerin Lynn Loo die Performance „Vowels and Consonants“ zeigen. Er ist ja auch einer der Hauptattraktionen der Gran Lux Filmnacht nächsten Dienstag (5. Juni). Martha Jurksaitis von Cherry Kino wird am Freitag etwas über Synästhetik im Kino erzählen – sie hat darüber wissenschaftlich gearbeitet. Und zeigt unter anderem „My Name is Oona“ von Gunvor Nelson, ein Film, der zumindest bei ihr starke synästhetische Erlebnisse auslöst.

 

Filmprojektion im Tonkino Saalbau ©Sabine Pichler

Samstag, Tag 5, sind mit MAAC-Le Labo die Belgier dran. Sie werden ein Filmspektakel veranstalten wie vor hundert Jahren, als Film noch eine Jahrmarktsattraktion war. Am Sonntag wird LaborBerlin eine Art Werkschau präsentieren – mit dabei auch ein Film von Werner Nekes, dem legendären Gründer der Hamburger Film Coop in den 1960er Jahren.

Das Festival beschließen am Montag die Franzosen – mit Atelier MTK aus Grenoble und L’Abominable aus Paris. Den Abschluss bildet die lange Gran Lux Filmnacht am Dienstag, 5. Juni vor und im Wien Museum am Karlsplatz.

 

Gran Lux is watching you! ©Sabine Pichler